Werde ich wirklich dick, wenn ich das Frühstück ausfallen lasse?

Während meiner Schulzeit gab es bei uns ein Standard-Frühstück: einen Becher mit warmer Vollmilch. Dabei handelte es sich um einen Kompromiss. Meine Eltern wollten meine zwei Schwestern und mich nicht mit leerem Magen aus dem Haus schicken, doch so richtig Hunger hatten wir morgens nie. Die Milch war der kleinste gemeinsame Nenner, auf den wir uns einigen konnten: Sie füllte den Magen, lieferte Nährstoffe und war schnell getrunken. 

Ich verstand schon damals nicht, warum ich morgens unbedingt essen sollte – so ganz ohne Hunger oder Appetit. Doch ich hinterfragte das Dogma auch nicht. Der Spruch vom Frühstück als der wichtigsten Mahlzeit wurde nicht nur mir, sondern einer ganzen Generation von Heranwachsenden beigebracht. Wer nicht frühstückt, bringt seinen Stoffwechsel durcheinander, bekommt im Laufe des Tages Heißhunger, isst zu viel und nimmt schließlich zu, hieß es.

Wer frühstückt, nimmt mehr Kalorien auf

Diese These steht seit langem auf dem Prüfstand. Bewiesen werden konnte sie nie. Ende Januar erschien im renommierten „British Medical Journal“ (BMJ) eine Studie, die dieser Auffassung sogar widerspricht. Die Hauptaussage der Auswertung: Es gibt derzeit keine Belege dafür, dass Menschen zunehmen, wenn sie das Frühstück ausfallen lassen. Oder dass regelmäßige Frühstücker mit einem Essen am Morgen effektiv Gewicht verlieren könnten. Im Gegenteil: Frühstücker nahmen im Schnitt täglich 260 Kilokalorien mehr auf als Menschen, die auf das Frühstück verzichteten.

Das Forscherteam der Monash University zieht aus der Auswertung zwei Schlüsse, die zumindest für Frühstücks-Fans überraschend sein dürften: Fasten am Morgen könnte eine gute Methode sein, die tägliche Kalorienaufnahme einzuschränken. Und: Mediziner sollten vorsichtig damit sein, das Frühstück als wichtigen Teil einer Diät zu promoten. Denn tatsächlich könnte es den gegenteiligen Effekt haben. 

Woher stammt dann aber der Frühstücks-Mythos von der wichtigsten Mahlzeit des Tages? Dieser Frage geht der britische Epidemiologe Tim Spector in einem Begleittext zu der Studie nach. Spector isst selbst gerne Frühstück, am liebsten Joghurt, Kefir, Nüsse, Samen und Früchte, wie er dem Portal „Science of us“ verriet. Und dennoch berichtet er von guten Gründen, das Frühstück auch mal ausfallen zu lassen. Seine Erkenntnisse lassen sich auf diese Punkte zusammenfassen:

Heute weiß ich, dass ich kein Frühstück brauche und vertraue mehr auf meinen Körper. Meistens wache ich morgens ohne Hunger auf, trinke eine Tasse schwarzen Kaffee und fahre ins Büro. In der Kantine hole ich etwas Obst oder eine Banane. Auch Nüsse habe ich immer griffbereit, am liebsten Cashews oder Walnüsse.

Finger weg

Auch wenn’s vielen schwer fallen wird: Diese Pfannkuchen sind aus Weißmehl gemacht – und damit voll von leeren Kalorien. Ahornsirup enthält zu viel Zucker und der Bacon ist wegen seiner Menge an gesättigten Fettsäuren ungesund.

Ich betrachte das Obst und die Nüsse nicht als Pflichtprogramm, sondern als Angebot. Sollte ich vormittags Hunger bekommen, habe ich schnell etwas Gesundes zur Hand. Genauso gut gibt es aber auch Tage, an denen ich bis zur Mittagspause nichts esse. Ganz einfach, weil ich es nicht brauche.

Das Thema Frühstück ist sicher höchst individuell: Es gibt Menschen, die morgens einfach etwas zu essen brauchen – weil sie körperlich schwer arbeiten, sich unwohl fühlen, chronisch krank sind oder schlicht nicht „funktionieren“ würden. Auch bei Kindern gibt es weitgehend Konsens darüber, dass sie frühstücken sollten, weil das die Konzentration und das psychische Wohlbefinden fördert.

Es gibt viele gute Gründe für ein Frühstück, aber auch solche, die dagegen sprechen. Wichtig ist, die Art und Weise zu finden, die sich für einen selbst bewährt und funktioniert.

Milch zum Frühstück mag ich übrigens bis heute nicht.


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