Pornosucht ist eine psychische Störung – und schadet Beziehungen

Wie die Sucht nach Pornofilmen das Leben der Betroffenen zerstört

Filme mit pornografischem Inhalt sind in der heutigen Zeit leicht verfügbar. Eigentlich sollen sie dafür Sorgen, dass Männer und Frauen mehr Lust entwickeln, allerdings kann aus dieser Lust in machen Fällen auch eine wahre Sucht werden. Solch eine Sucht wirkt sich negativ auf das Sexualleben des Betroffenen und dessen Beziehung aus. Wird in Zukunft die Sucht nach Pornofilmen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Krankheit eingestuft?

Die Weltgesundheitsorganisation plant die Sucht nach Pornofilmen als eine sogenannte Impulskontrollstörung einzustufen. Solch eine Entscheidung könnte Betroffenen helfen, besser mit ihrem Zustand umzugehen und schneller eine Therapie zu erhalten.

Unsere Sexualität und unser Zusammenleben mit unserem Partner wird durch eine vorhandene Sucht nach Pornofilmen erheblich gefährdet. (Bild: detailblick-foto/fotolia.com)

Sind Pornofilme zu leicht zu bekommen?

Pornofilme sind heutzutage leicht über das Internet zu beziehen und dort jederzeit verfügbar. Generell ist es natürlich kein Problem, wenn Menschen sich mit solchen Filmen Lust auf ihr Zusammensein verschaffen. Wird das Anschauen dieser Filme aber zu einer Sucht, kann das ernsthafte Schwierigkeiten für die eigene Sexualität bewirken und sich negativ auf die möglicherweise vorhandene Partnerschaft auswirken.

Was ist so reizvoll an Pornofilmen?

In einem Beispiel wird ein Mann genannt, der hier als Max Schmidt bezeichnet wird, wobei sein richtiger Name allerdings anders lautet. Dieser hatte jahrelang seine Lust vor allem mit Pornos gestillt, indem er sich beim Zuschauen selbst befriedigte. Er beschrieb die Filme als einfach zu beziehen, unkompliziert und für ihn reizvoll. Allerdings wurde das Anschauen dieser Filme mit der Zeit zu einer wahren Sucht, die dazu führte, dass das Sexualleben des Betroffenen zerstört wurde und seine Beziehung stark litt, berichtet der Nachrichtensender „n-tv“. Heute kämpfe Max Schmidt darum, seine Ehe zu retten und wieder ein normales Leben zu führen.

Sucht ist Sucht?

Dieser Fall sollte andere Menschen mit einem ähnlichen Probleme aufklären. Eine Sucht nach Pornofilmen ist für die Betroffenen durchaus vergleichbar mit der Sucht nach Alkohol oder Nikotin, allerdings blieben die Folgen lange Zeit unklar. Bei der Sucht nach Alkohol und dem Rauchen von Zigaretten fürchtet man um seine Gesundheit, leidet man unter Spielsucht, sorgt man sich um sein Geld, aber die Folgen der Sucht nach Pornofilmen waren für den Betroffenen nur schwer zu erahnen. Mittlerweile nehmen Schmidt und seine Frau an einer Paar- und Sexualtherapie bei einer ärztlichen Psychotherapeutin teil. Es gibt Schätzungen darüber, dass etwa eine halbe Million Menschen in Deutschland süchtig nach Sex-und Pornofilmen sind. Betroffene sind in neun von zehn Fällen Männer. Natürlich wird durch solch eine Sucht auch eine ähnliche Anzahl von Familienangehörigen indirekt betroffen.

WHO stuft Pornosucht als Impulskontrollstörung ein

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) plant Ende Mai die sogenannte internationale Klassifikation von Erkrankungen (ICD-11) zu verabschieden, in der sogenannte zwanghafte sexuelle Störungen als Impulskontrollstörung eingestuft sind. Dies ermöglicht es Betroffenen, einfacher und schneller einen Therapieplatz für ihre Probleme zu finden. Außerdem wird auch wissenschaftliche Forschung zu diesem Thema durch die neue Einstufung erheblich erleichtert.

Wann leiden wir unter einer Impulskontrollstörung?

Zu einem zwanghaften Sexualverhalten können Experten zufolge unter anderem auch ein übermäßiger Konsum von Pornofilmen und Telefonsex zählen. Wenn Menschen ihre äußerst intensiven und immer wiederkehrenden Sexualimpulse über einen Zeitraum von mindestens sechs Monate nicht kontrollieren können und dies zur Folge hat, dass ihr Familien- und Arbeitsleben oder das Sozialverhalten beeinträchtigt wird, ist nach Meinung der WHO eine Definition als Impulskontrollstörung angebracht.

Die Sucht entwickelt sich im Laufe der Jahre

Es dauert meist Jahre, bis Betroffene eine Sucht nach Pornofilmen entwickeln. Auch bei dem Beispiel von Max Schmidt begannen die Schwierigkeiten bereits sehr früh. Der Betroffene gab an, dass er schon immer Probleme beim Sex gehabt habe. Eine vorhandene Vorhautverengung sei aber erst relativ spät diagnostiziert worden. Zu diesem Zeitpunkt war der Betroffene bereits erwachsen. Während der Zeit seiner ersten Ehe habe Schmidt damals immer häufiger Pornos angeschaut, je länger diese Beziehung andauerte. Nachdem die Beziehung gescheitert war, heiratete er erneut. Schmidt klärte seine zweite Frau offen darüber auf, dass er gerne Pornofilme anschaut. Anfangs störte sie dies nicht wirklich, allerdings waren zu diesem Zeitpunkt die späteren Auswirkungen noch nicht absehbar.

Die Partnerin wurde kaum noch beachtet

Was dann folgte, beschreibt der Betroffene in etwa so: Er habe häufig Pornofilme angeschaut und dafür seiner Frau nicht ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt und sie regelrecht links liegengelassen. Jetzt 15 Jahre später, erklärte er, könne er sich endlich wieder befriedigen ohne dafür auf Pornofilme zurückgreifen zu müssen. Zuvor benötigte er immer solche Filme, um eine Erregung zu erfahren. Statt selber neue Sachen mit seiner Frau auszuprobieren, schaute er sich diese lieber im Internet an. Dies führte zu nicht gerade vorteilhaften Vergleichen. Männer in solchen Filmen seien besser bestückt als der Normalbürger, und Frauen habenhätten oft eine makellose und aufregende Figur. Als seine Frau ihm am Anfang des Jahres erklärte, dass sie ihn nur noch als Freund liebe, aber nicht mehr als ihren Mann, habe ihn das so geschockt, dass er damals aufhörte Pornofilme anzuschauen. Heutzutage sieht er seine Lage so, dass er eigentlich ein Riesenglück gehabt hat, denn welche Frau mache es schon jahrelang mit, von ihrem Mann nicht berührt zu werden. (as)

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