Fehlende Arzneimittel: Studie zeigt, warum es zu Lieferengpässen kommt

Aktuell sind in Apotheken viele Medikamente nicht lieferbar. Dazu kommt es insbesondere dann, wenn Krankenkassen Rabattverträge mit nur einem einzigen Hersteller vereinbaren. Das belegt eine aktuelle Studie des IGES Instituts, die der Branchenverband Pro Generika in Auftrag gegebenen hat. Apotheker fordern Politik und Wirtschaft auf, zügig Maßnahmen gegen Lieferengpässe zu ergreifen.

Erst vergangene Woche hatte das Deutsche Arzneiprüfungsinstitut (DAPI) eine Studie vorgelegt, für die alle Rabattarzneimittel auf ihre Verfügbarkeit in den vergangenen Jahren hin analysiert wurden. Dabei kam heraus: Die Anzahl der nicht verfügbaren Rabattarzneimittel hat sich von 4,7 Millionen in 2017 auf 9,3 Millionen Packungen in 2018 verdoppelt. Jetzt lässt die IGES-Studie einen weiteren Schluss zu: Dass ein Apotheker ein anderes Medikament als das Rabattarzneimittel abgegeben musste, kommt immer dann besonders oft vor, wenn Rabattverträge mit nur einem einzigen Hersteller geschlossen wurde.

Etwa 60 Prozent der Rezepte, die Apotheker im Jahr 2017 mit dem Hinweis auf Lieferunfähigkeit abgegeben hatten, stammten aus einer solchen exklusiven Vereinbarung. Bei einigen Wirkstoffen lag der Anteil sogar bei rund 90 Prozent. Existierten hingegen zwei oder drei Rabattpartner, waren nur noch 27 Prozent der Verordnungen betroffen. Pro Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer kritisiert, dass das Problem der nicht-lieferbaren Medikamente oft kleingeredet wird: "Einige Krankenkassen geben an, dass der Anteil der nicht verfügbaren Wirkstoffe bei gerade einmal 0,6 Prozent liege. Unsere Studie aber zeigt, dass es besonders in Exklusivverträgen zu mehr Lieferausfällen kommt."

Apotheker fordern zügiges Handeln

Um die Lieferengpässe bei Arzneimitteln zu bekämpfen, hat sich der Geschäftsführende Vorstand der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V. auf einen Acht-Punkte-Katalog verständigt. "Die Lieferengpässe in den Apotheken nehmen immer größere Ausmaße an", sagt ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. Der zeitliche und organisatorische Mehraufwand für Apotheker, um Alternativmedikamente zu beschaffen oder Rücksprache mit dem Arzt zu halten, sei nur eine Seite des Problems. "Wenn Patienten mit ständig wechselnden Präparaten konfrontiert oder auf einen anderen Wirkstoff umgestellt werden müssen, führt das zu großer Verunsicherung und kann das Therapieergebnis verschlechtern", sagt Schmidt. Die Apotheker fordern Politik und Wirtschaft daher auf, die Rahmenbedingungen zügig so zu verändern, dass Versorgungssicherheit gewährleistet sei.

NK

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