Mehr Hirntote sollen zu Organspendern werden

In der Bundestagsdebatte über die Änderung des Transplantationsgesetzes hat sich am Donnerstag eine breite Zustimmung zu den Plänen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) abgezeichnet.

Ziel ist es, die Zahl der Organspender in Deutschland zu vergrößern. Diese ist 2018 zwar erstmals seit Jahren wieder gestiegen, reicht aber längst nicht aus, um die rund 10.000 Schwerkranken zu versorgen, die auf ein Spenderorgan angewiesen sind.

Der neue Gesetzentwurf sieht mehrere Maßnahmen vor, um die Abläufe in den Kliniken zu verbessern, die zur Organentnahme berechtigt sind:

  • Ärzte, die in den Krankenhäusern die Aufgabe des Transplantationsbeauftragten ausfüllen, sollen zumindest anteilig von ihren sonstigen Pflichten freigestellt werden. Sie sollen zudem mehr Befugnisse bekommen, um sich effektiver über mögliche Organspender informieren zu können.
  • Kliniken, die Organentnahmen durchführen, sollen besser vergütet werden.
  • Angehörige von Organspendern sollen besser betreut werden. So soll es zum Beispiel möglich sein, dass sich Organempfänger mit einem anonymen Schreiben bei den Angehörigen bedanken können.
  • Mit einem speziellen Rufbereitschaftsdienst für Neurologen und Neurochirurgen soll gewährleistet werden, dass zu jeder Zeit der Hirntod eines Patienten festgestellt werden kann.

Eine Organspende ist nur dann möglich, wenn bei einem verstorbenen Patienten der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen festgestellt wurde. Die sogenannte Hirntodfeststellung muss von zwei Fachärzten unabhängig voneinander durchgeführt werden. Der neue Rufbereitschaftsdienst soll sicherstellen, das in jedem Entnahmekrankenhaus zu jeder Zeit qualifizierte Ärzte für diese Aufgabe zur Verfügung stehen.

Zustimmung von allen Parteien

Grüne, FDP und Linke unterstützten den Koalitionsentwurf. „Das ist wirklich ein gutes Gesetz, was Sie hier vorlegen“, sagte Kirsten Kappert-Gonther von den Grünen.

Auch von der AfD kam prinzipielle Zustimmung, wenn ihr Abgeordneter Axel Gehrke auch kritisierte, dass nicht ausreichend klare Regelungen vorgesehen seien, etwa zur Festlegung des Hirntods und zur Vermeidung psychischen Drucks auf Angehörige.

Unabhängig von den nun ins Parlament eingebrachten Plänen wird über Fraktionsgrenzen hinweg auch über neue Organspende-Regeln diskutiert. Bisher sind Entnahmen nur bei ausdrücklich erklärter Zustimmung erlaubt. Spahn wirbt nun für eine „doppelte Widerspruchslösung“. Demnach würde automatisch jeder als Spender gelten, außer man sagt Nein. Sonst wären – als doppelte Schranke – Angehörige zu fragen.

Transplantationsmediziner begrüßten die geplante Änderung des Transplantationsgesetzes. „Das Gesetz bietet gute Voraussetzungen, um die Zahlen der Organspenden in Deutschland zu erhöhen“, sagte Christa Wachsmuth, geschäftsführende Ärztin für die Region Ost der Deutschen Stiftung Organtransplantation, dem MDR-Magazin „Hauptsache Gesund“.

Paolo Fornara, Leiter des Nierentransplantationszentrums des Landes Sachsen-Anhalt an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, sagte dem Sender: „Deutschland ist bei der Organspende eines der Schlusslichter in Europa und in der Welt.“ Es bestehe also dringender Handlungsbedarf. „Die Maßnahmen, die jetzt angegangen werden sollen, halte ich für äußerst vernünftig.“

Im Video: Organspende via Facebook – Bitte eine Niere


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