Achtet auf euch! Psychotherapeutin nennt Tipps für ein psychisch gesundes Leben

1. Holen Sie sich Entspannung und Schönes in Ihr Leben

Fragen Sie sich ganz konkret: Was kann ich tun, um es mir gut gehen zu lassen? Lernen Sie, sich beruhigen zu können und schaffen Sie sich Auszeit vom Job, zum Beispiel mit Yoga, Atem- oder Entspannungsübungen.

2. Schulen Sie Ihre Wahrnehmung

Legen Sie während des Alltags immer wieder bewusst Pausen ein und hören Sie in sich hinein: Wie geht es mir in dieser Situation? Was mache ich hier eigentlich? Was trage ich aus dem Privaten mit zur Arbeit – oder umgekehrt? Wie verteile ich meine Prioritäten? Beruf und Privat sind nicht zu trennen, weil wir es immer in uns haben. Aber wir können versuchen, notwendige Klärungen immer im jeweiligen Bereich zu lassen.

3. Wagen Sie eine realistische Selbsteinschätzung

Depression bei Männern


Was die Männerseele schützt – und was ihr schadet

Es kann helfen, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen: Werde ich schnell unwirsch mit mir und anderen, wenn Dinge nicht nach Plan laufen? Bin ich leicht zu kränken? Kommuniziere ich mit mir selbst auf entwertende Weise? Seien Sie gnädig und freundlich zu sich selbst. Ihnen und Ihrem Umfeld tut eine zugewandte, unterstützende Haltung gut.

4. Achten Sie auf sich selbst

Sagen Sie auch mal "Nein", wenn Ihnen etwas so gar nicht in den Kram passt. Sie dürfen sich abgrenzen und sich selbst ernst nehmen. Nur Sie sind für Ihre Gefühle und Ihr Handeln verantwortlich. Sichtweisen auf Dinge und Menschen dürfen sich verändern – in alle Richtungen.

5. Üben Sie Ihren Umgang mit Stress

Stress, anstrengende Arbeit oder Auseinandersetzungen können nicht per se vermieden werden. Versuchen Sie stattdessen eine Wahrnehmung zu entwickeln, wovon der Körper und die Seele gerade beeinflusst werden und was Sie selbst tun können, um sich zu entlasten.

In akuten Stresssituationen können schon kleine Tricks helfen: Gehen Sie kurz raus an die frische Luft und verschaffen Sie sich eine kurze Auszeit, zum Beispiel indem Sie sich einige Minuten Zeit nehmen, um sich zu beruhigen. Bringen Sie mentalen und räumlichen Abstand zwischen das Problem und sich selbst, wie die Kupplung zu treten, beim Schalten. Machen Sie sich bewusst, was Sie gerade stresst. Versuchen Sie, die Situation zu beeinflussen: Was kann ich im Moment tun, damit es mir besser geht?

Seelische Leiden – wann muss ich zum Arzt?

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Mehr als ein Drittel der Bevölkerung leidet im Laufe ihres Lebens unter einer psychischen Störung – was können wir tun, wenn die Seele schmerzt? Sabine Wery von Limont ist Buchautorin und arbeitet als Psychologische Psychotherapeutin mit eigener Praxis in Hamburg. Vor kurzem hat sie das Buch „Das geheime Leben der Seele – Alles über unser unsichtbares Organ“ (Mosaik-Verlag) herausgebracht.

Sie sind ständig gereizt, seit längerem traurig, können selbst in schönen Situationen keine Freude empfinden? Sie leiden unter Schmerzen, einem Tinnitus, Konzentrationsstörungen, schlafen schlecht oder womöglich extrem viel? Ihre Leistung ist eingebrochen? All dies können laut Sabine Wery von Limont Anzeichen sein, dass unsere Seele leidet. "Es ist durchaus möglich, dass unser Leben mal aus dem Gleichgewicht gerät und nicht gleich eine Psychotherapie notwendig ist", sagt die Psychotherapeutin. Im Gespräch mit dem Arzt gilt es herauszufinden, ob die Beschwerden vorübergehend sind – oder Symptom einer schweren Krankheit wie einer Depression.

Nicht hilfreich seien kurzfristige Strategien, die der Kompensation von Stress und Sorgen dienen: vermehrt zu Alkohol greifen, sich in die Arbeit stürzen oder von Kurzzeitbeziehung zu Kurzzeitbeziehung wechseln. "Diese Strategien zeigen oft nur eine kurz anhaltende Wirkung auf negative Gefühle und führen am Ende zu noch mehr Problemen", sagt Wery von Limont. "Es ist gut und hilfreich, rechtzeitig auf die Bremse zu treten. Es geht um die ehrliche Antwort auf die Frage: 'Bekomme ich meine Belange noch gut auf die Reihe?' Wenn die Antwort 'Nein' lautet, ist der Weg zum Arzt oder Therapeuten dringend angezeigt."

Auf der Seite der Stiftung Deutsche Depressionshilfe gibt es einen Test, der Hinweise auf eine Depression liefern kann. Der Test wird auch von Therapeuten genutzt. Eine gesicherte Diagnose beim Arzt ersetzt der Fragebogen aber nicht. Hier geht es zum Selbsttest.

Hilfe – auch in scheinbar ausweglosen Situationen – gibt es bei der Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über Chat ist möglich. 

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