Ärztinnen in der Apotheke

Manchmal kommen wildfremde Menschen zu uns an den HV-Tisch, bitten uns mit so einer Selbstverständlichkeit um etwas Verschreibungspflichtiges, dass uns sofort klar ist: Diese Person vor uns ist ein Arzt oder eine Ärztin. 

Da uns die ärztliche Aura allerdings nicht ausreicht, einfach etwas Verschreibungspflichtiges ohne Rezept herauszurücken, starten wir den Dialog in etwa so: „Dafür bräuchten Sie ein Rezept!“ Vielleicht machen wir aber auch auf Verständnis und sagen so etwas wie „Tut mir leid, das darf ich Ihnen leider nur mit Rezept geben!“ Als Antwort kommt dann meist sowas wie „Kein Problem, ich bin Arzt!“ oder „Ich habe was Besseres als ein Rezept: Einen Arztausweis.“ Dann tun wir so, als hätten wir das nicht sofort geahnt und bitten sie oder ihn doch beim nächsten Mal gleich den Arztausweis vorzulegen. So, wie es die Mehrheit der Ärztinnen und Ärzte auch vorbildlich macht. 

Ich betone letzteres, weil das hier kein „Ärzt:innen-Bashing“ werden soll, sondern nur eine Ansammlung von nicht ganz so schönen Ereignissen mit Ärzt:innen – „False Balance“ also.

Kolumne

#DerApotheker

Vor kurzem hatte ich einen Mann mittleren Alters in der Apotheke, der von mir eine große Packung Pantoprazol 40 Milligramm wollte, ohne darauf hinzuweisen, dass er Arzt war.

Der Tanz begann also: „Haben Sie ein Rezept?“ „Nein, einen Arztausweis!“ Er zeigte ihn mir. „Okay, ich bräuchte noch bitte den Personalausweis zur Verifizierung.“

Das gefiel ihm allerdings so gar nicht, weshalb er wütend wurde und schimpfte, dass das noch nie nötig gewesen wäre, und ob er mir nicht gleich all seine Papiere zeigen sollte. Nein, das war nun wirklich nicht nötig. Der Personalausweis reicht völlig aus.

Ich blieb freundlich und gelassen, wie der Stoiker, der ich bin oder zumindest gerne wäre. Außerdem möchte man sich einen Arzt nicht unbedingt zum Feind machen. Die Situation war allerdings nicht mehr zu retten und er wollte meine Freundlichkeit partout nicht anerkennen. Aufgebracht zeigte er mir seinen Personalausweis, bezahlte und verließ mit seinem Protonenpumpenhemmer die Apotheke.

Als er weg war, googelte ich zur Sicherheit, ob ich mich vielleicht ja doch irrte. Auf der Bundesärztekammerseite fand ich dazu folgendes: „Sichtausweis: Wie sein klassischer Vorgänger – der Arztausweis aus Papier – dient er zusammen mit dem amtlichen Lichtbildausweis als Sichtausweis, bspw. um in einer Apotheke verschreibungspflichtige Medikamente zu erwerben.“ Ich war dann doch ein wenig froh, mich nicht in diesem Punkt geirrt zu haben.

Denn genauso wie es da stand, lernte ich es damals auch in meinem Praktischen Jahr: Dass ein Arztausweis eben nur in Kombination mit einem Personalausweis gültig ist. Das hatte ich dann auch all die Jahre so gehandhabt und nie gab es Probleme. Zu meiner Schande muss ich gestehen, das auch nie wirklich hinterfragt zu haben. Dass einige Ärzt:innen mir schon von selbst beide Ausweise auf den HV-Tisch legten, bevor sie nach etwas Verschreibungspflichtigem fragten, ohne, dass ich danach fragen musste, bestätigte meine Vermutung.

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