Auf Ideensuche gegen Nachwuchsmangel

Ein zentrales Thema bei der Kammerversammlung der Apothekerkammer Schleswig-Holstein am Mittwoch in Kiel war der Nachwuchsmangel. Die Diskussion führte von einer möglichen Ausbildungsfinanzierung für PTA über die Konkurrenz zur Industrie bis zu neuen Ideen für die Apothekenhonorierung. Die Kammer wird dazu eine Arbeitsgruppe einsetzen. Kammerpräsident Dr. Kai Christiansen forderte die Apotheker außerdem auf, sich für die pharmazeutischen Dienstleistungen und für das E-Rezept einzusetzen, das am 1. September in Schleswig-Holstein startet.

Mit Blick auf die pharmazeutischen Dienstleistungen erklärte Christiansen bei der Kammerversammlung am Mittwoch, für die Selbstverwaltung sei das Anrufen einer Schiedsstelle immer ein Armutszeugnis. In diesem Fall scheine es sich aber um einen taktischen Winkelzug der Krankenkassen gehandelt zu haben. Angesichts der Aussagen des GKV-Spitzenverbandes zu den Dienstleistungen in den vorigen zwei Jahren komme er zu dem Schluss, dass es den Krankenkassen bei den Verhandlungen „in keiner Weise um Versorgung, sondern ausschließlich um Verzögerung und Verhinderung ging“, erklärte Christiansen. 

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Das Ziel sei wohl gewesen, nach ein oder zwei Jahren sagen zu können, dass die Apotheken es nicht schaffen, Dienstleistungen zu erbringen, um dann das Geld anders verwenden zu können. Daraufhin forderte Christiansen die Mitglieder der Kammerversammlung auf, sich für die Dienstleistungen einzusetzen und sie positiv zu besetzen. Das Beste wäre, wenn die 150 Millionen Euro am Ende des Jahres aufgebraucht wären, erklärte Christiansen. Er verbinde damit die Hoffnung, dass „wir alle gemeinsam wieder unsere wahre Berufung finden“ und „uns auf unsere heilberufliche DNA zurückbesinnen“.

E-Rezept als Chance für Apotheken

Außerdem bat Christiansen die Kammermitglieder, das E-Rezept „zu einer Erfolgsgeschichte der deutschen Vor-Ort-Apotheke“ zu machen. Ganz Deutschland werde ab dem 1. September auf Schleswig-Holstein sehen. Die Apotheken sollten das Gespräch mit den Ärzten suchen und bei den Softwarehäusern auf Schulungen und weitere Unterstützung drängen, um wirklich „E-Rezept-ready“ zu werden. Ab sofort fänden in Schleswig-Holstein wöchentlich Videokonferenzen zwischen der Gematik, dem Apothekerverband und der Apothekerkammer statt. Bei der ersten Konferenz habe die Gematik ein offenes Ohr für die Probleme gezeigt. Auch die Vertreter der Gematik wollten einfach nur, dass das E-Rezept funktioniert, berichtete Christiansen. Außerdem mahnte er, alle diejenigen, die sich der Einführung des E-Rezepts verweigern, würden den Versendern in die Karten spielen. Den Versendern könne nichts Besseres passieren als eine solche Verweigerung, folgerte Christiansen. Doch das E-Rezept könne auch dazu beitragen, dass Apotheken überleben, wenn die letzte Arztpraxis im Ort geschlossen hat. „Sie müssen es nur schaffen, dass ihre Patienten Ihnen Ihre Gesundheit anvertrauen und die Rezepte zu Ihnen wischen“, erklärte Christiansen.

Neue Arbeitsgruppe gegen Nachwuchsmangel

Dafür müsse auch das Nachwuchsproblem gelöst werden. Dazu regte Christiansen an, eine Arbeitsgruppe zu schaffen. In der anschließenden Diskussion sprachen sich alle Beteiligten dafür aus. Zugleich wurde die Komplexität des Themas deutlich. Es wurde über reges Interesse bei Berufsmessen berichtet. Doch bestehe Frust, für eine Ausbildung an einer privaten PTA-Schule Geld bezahlen zu müssen. Dagegen könne möglicherweise die Kostenübernahme durch eine Apotheke helfen, wenn sich die angehende PTA im Gegenzug an diese Apotheke bindet. Doch auch die Finanzierung des Wohnens am PTA-Schulort und der Mangel an Lehrkräften für PTA-Schulen seien Hindernisse. Ein weiterer zentraler Aspekt der Diskussion waren die Gehaltsaussichten für alle Apothekenberufe. Dazu berichtete Christiansen über einen geplanten Antrag für den Deutschen Apothekertag mit einem Vorschlag, dass die Politik für eine zusätzliche Apothekenhonorierung sorgen solle, bei der sich die Apotheken verpflichten, das Geld vollständig an die Mitarbeiter weiterzugeben.

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In diesem Zusammenhang wurde kontrovers über die Gründe vieler junger Approbierter diskutiert, außerhalb der Apotheke zu arbeiten. Neben dem Gehalt seien das der Dauerstress und die ungünstigen Arbeitszeiten in der Apotheke. Der neue Kammergeschäftsführer Dr. Felix-Alexander Litty, der diese Aufgabe am 1. Juni übernommen hat und zuvor in der Pharmaindustrie tätig war, entgegnete, die Industrie sei „nicht das Land, in dem Milch und Honig fließen“. Auch dort gebe es eine hohe Arbeitsbelastung und Arbeit am Wochenende. Mit Blick auf eine bessere Honorierung der Apotheken erinnerte der ehemalige Vorsitzende des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, Dr. Peter Froese, an den Koalitionsvertrag. Der dortige Verweis auf Effizienzgewinne sei problematisch, aber der Begriff des Sicherstellungsfonds sei eine „Aufforderung zum Tanz“. Die Politik erwarte dazu Vorschläge von den Apothekern. Statt einer pauschalen Honorarerhöhung biete sich dort die Möglichkeit zu gezielten Förderungen. Die Formulierung im Koalitionsvertrag sei wohlwollend gemeint und müsse nun mit Leben gefüllt werden, erklärte Froese. Als weiterer Aspekt wurde diskutiert, dass interessierte junge Menschen befürchten, in 30 Jahren würden keine Apotheken mehr bestehen. Dagegen erklärte Christiansen, gerade die Pandemie habe gezeigt, wie systemrelevant Apotheken seien. Die Apotheke werde in 30 Jahren anders aussehen, aber weiterhin existieren, bekräftigte Christiansen. Alle diese Aspekte sollen künftig in der geplanten Arbeitsgruppe diskutiert werden. Dabei wird eine Zusammenarbeit mit dem Apothekerverband Schleswig-Holstein angestrebt. Christiansen wies bereits vorab darauf hin, dass die dort zu erarbeitenden Maßnahmen mit Sicherheit Geld kosten würden.

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