COVID-19 und Spanische Grippe – Ergebnisse eines Vergleichs – Heilpraxis

SARS-CoV-2 und Influenza: Vergleich von Autopsieberichten

Die durch das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgelöste Krankheit COVID-19 wird oftmals mit der echten Grippe verglichen, die durch Influenza-Viren verursacht wird. Ein Schweizer Forschungsteam untersuchte nun, welche Gemeinsamkeiten die beiden Krankheiten haben beziehungsweise wie sie sich unterscheiden. Dazu analysierte das Team Autopsieberichte von Opfern der Spanischen Grippe aus den Jahren 1918 und 1919 und verglich diese mit aktuellen COVID-19-Autopsien.

Forschende um Professor Dr. Holger Moch, Direktor des Instituts für Pathologie und Molekularpathologie am Universitätsspital Zürich, werteten 411 Autopsiebefunde von Betroffenen aus, die zwischen Mai 1918 und April 1919 an der Influenza A verstarben – besser bekannt als „Spanische Grippe“. Die gewonnenen Daten wurden 75 aktuellen Autopsieberichten aus der Coronavirus-Pandemie gegenübergestellt. Die Ergebnisse dieses Vergleichs wurden kürzlich im „Journal of Patholohy“ publiziert.

Hinkender Vergleich

Die als „Spanische Grippe“ bekannte Influenza-Pandemie wütete in den Jahren 1918 und 1919. Der Krankheit vielen rund 50 Millionen Menschen zum Opfer. Die Influenza wird nicht selten mit COVID-19 verglichen. Auf den ersten Blick scheint dies nahezuliegen – beide Krankheiten haben ähnliche Ansteckungswege und auch die Symptome bei leichten und mittelschweren Verläufen ähneln sich. Doch der „Vergleich hinkt“, schreibt die Pathologinnen und Pathologen in ihrer aktuellen Studie.

Influenza verursacht keine Blutgerinnsel

Wie Professor Moch betont, wird in keinem der 411 Influenza-Autopsieberichten das Vorhandensein von Blutgerinnseln erwähnt. Dagegen wurde bei 36 Prozent der untersuchten COVID-19-Autopsien eine Lungenarterien-Thrombose beziehungsweise eine Lungenembolie festgestellt.

COVID-19 führt oft zu Gefäßentzündungen

Dieses Verhältnis steht den Forschenden zufolge im Einklang mit aktuellen Studien, die nahelegen, dass es bei COVID-19 oft zu generalisierten Entzündungen des Endothels der Blutgefäße und damit zu vermehrter Blutgerinnselbildung kommen kann. Dies erkläre die vielen Fälle von Lungenembolien, die auch bei Patientinnen und Patienten auftreten, die keine Risikofaktoren für Thrombosen aufzeigen.

Wesentliche Unterschiede zwischen Grippe und COVID-19

Die Forschenden konnten zweifelsfrei feststellen, dass COVID-19-Betroffene öfter eine fortschreitende und lebensbedrohliche Lungenentzündung entwickeln als Influenza-Erkrankte. Darüber hinaus seien deutlich mehr thromboembolische Ereignisse bei COVID-19 zu beobachten als bei der Grippe. Auch Blutgerinnsel in den feinsten Gefäßen, sogenannte kapillare Mikrothromben, treten der Studie zufolge deutlicher häufiger bei COVID-19 auf als bei Infuenza-Erkrankungen.

Suche nach Testpersonen

Aufgrund dieser und anderer Studienergebnisse möchte ein Forschungsteam unter der Leitung von Professor Nils Kucher, Direktor der Klinik für Angiologie am Universitätsspital Zürich, nun die Sicherheit und die Wirksamkeit von Blutverdünnern zur Vermeidung von Blutgerinnseln bei Patientinnen und Patienten testen, die wegen einer Coronavirus-Infektion ambulant behandelt werden. Hierzu sucht das Team noch weitere Testpersonen ab einem Alter von 50 Jahren, die kürzlich positiv auf das Virus getestet wurden (Kontaktinformationen hier). (vb)

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