„Diesen Arschtritt haben einige von uns eingefordert“

Dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) inmitten der laufenden Maskenausgabe-Aktion das Honorar für die Apotheken gekürzt hat, geht aus Sicht von Friedemann Schmidt auch auf die Kappe einzelner Kollegen, die öffentlich über die Einkaufspreise für die Masken berichteten und preisgaben, was sie daran verdienten. Der Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer fand dafür gestern bei der Kammerversammlung deutliche Worte.

Ende Januar dieses Jahres schockte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Apotheker, als er die Vergütung für die Ausgabe von Schutzmasken inmitten der laufenden Aktion von 6 Euro brutto je Maske auf 3,90 Euro stutzte. ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening sprach von einem „fatalen Signal“ an die Apotheker:innen, die all ihre Kraft in die Pandemiebekämpfung steckten. Von einem Tag auf den anderen gingen sie in Vorkasse, beschafften zig Millionen Schutzmasken und gaben diese an Risikopatient:innen und Senior:innen aus. Die abrupte Honorarkürzung „erschüttert ihr Vertrauen in die Zusagen der Politik“, sagte die Präsidentin damals.

Mehr zum Thema

Änderung der Schutzmasken-Verordnung

Spahn kürzt Masken-Vergütung um ein Drittel

Recherchen von NDR, WDR und SZ

Spahn beschloss Maskenausgabe über Apotheken wohl im Alleingang

Presseschau

Masken-Ausgabe: Das schreiben die anderen

Ihr Amtsvorgänger aus Sachsen, Friedemann Schmidt, sieht die Verantwortung dafür auch bei einigen Kolleg:innen, die in den Publikumsmedien über ihre Einkaufspreise für die Masken berichteten und vorrechneten, wie viel Umsatz sie mit der Aktion machten. Wer sowas öffentlich kommuniziere, „der hat es nicht anders verdient“, sagte der Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer (SLAK) am gestrigen Mittwoch bei der Online-Kammerversammlung. „Diesen Arschtritt haben einige von uns eingefordert.“

Sehr zufrieden zeigte sich Schmidt dagegen mit der Leistung der Apotheken bei der Impfstoffverteilung. Auch der Informationsfluss zu den sich wöchentlich ändernden Bestellmodalitäten von den Kammern und Verbänden hinein in die Apotheken habe sich als zuverlässig erwiesen – anders als bei den Ärzt:innen. Es gebe offenbar „zu wenig Information an die Praxen“, sagte er. Denn diese erkundigten sich allzu oft in den Apotheken nach dem aktuellen Stand. „Das haben unsere Kammern und Verbände gut hinbekommen, auch wenn die Intensität natürlich sehr hoch ist“, so der SLAK-Präsident.

Thomas Dittrich, Chef des Sächsischen und Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands, betonte zudem, das strenge Bestellsystem sei nötig, um eine geordnete Verteilung der Impfstoffe zu gewährleisten. Der Mechanismus sei „hochkomplex“ – auch weil der Großhandel es nicht leicht habe, das nötige Impfzubehör zu beschaffen. „Der Markt ist derzeit etwas knapp“, sagte Dittrich. Dennoch gelinge die Verteilung der Impfstoffe entlang der bewährten Arzneimittel-Lieferkette bis auf wenige Ausnahmen sehr gut, betonte der DAV-Chef. Das habe auch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) erkannt. „Und das BMG weiß einzuordnen, welche Leistung dahinter steckt.“ Hoffnung setzt Dittrich in die angekündigte Neubewertung der Apothekenvergütung. Bis zum 17. Mai muss die ABDA dem Ministerium eine Aufstellung vorlegen, welcher Aufwand durch die Impfstoff-Distribution tatsächlich in den Apotheken anfällt. Darauf basierend könnte das BMG das Honorar für die Offizinen noch nach oben korrigieren.

Quelle: Den ganzen Artikel lesen