Für 10.000 Euro auf Spargelfahrt mit dem Seeheimer Kreis

Die Spargelfahrt des Seeheimer Kreises, des eher konservativen Flügels der SPD-Bundestagsfraktion, wird schon seit 1961 durchgeführt. Mittlerweile gehört sie zu einer der wichtigsten und begehrtesten Veranstaltungen des politischen Berlins, heißt es auf der Website. An der Finanzierung können sich auch Sponsoren beteiligen. In diesem Jahr war der niederländische Arzneimittelversender DocMorris mit 10.000 Euro dabei.

Der Seeheimer Kreis ist ein Zusammenschluss von SPD-Bundestagsabgeordneten, die innerhalb der SPD eher dem konservativen Spektrum zuzuordnen sind. Weitere wichtige Zusammenschlüsse in der SPD-Fraktion sind die Parlamentarische Linke und das Netzwerk Berlin. Zum Seeheimer Kreis gehören unter anderem der SPD-Parteivorsitzende Lars Klingbeil und Edgar Franke, der von 2014 bis 2017  Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Bundestag war und seit Dezember 2021 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Gesundheit ist. Gut möglich, dass gerade Letzterer ein Grund für den niederländischen Arzneimittelversender DocMorris ist, den Kontakt zum Seeheimer Kreis zu pflegen. Und das geht am einfachsten über ein Sponsoring der verschiedenen Veranstaltungen.

Transparenter Umgang mit den Sponsoren

Dabei pflegt der Seeheimer Kreis einen ausgesprochen transparenten Umgang mit seinen Sponsoren. Auf der Website finden sich genaue Auflistungen, wer welche Summe zu einer Veranstaltung beigetragen und was er dafür bekommen hat. So steht auf der 36 Sponsoren umfassenden Liste für das Seeheimer Gartenfest 2021 neben der Bundeszahnärztekammer und der Firma Bayer auch DocMorris. Für 10.000 Euro durfte der Versender sein Logo präsentieren. Ebenfalls 10.000 Euro bezahlte DocMorris beim Seeheimer Spargelessen 2021, das Corona-bedingt nicht als Schifffahrt stattfand, sowie 5.000 Euro beim Seeheimer Wahlabend 2021 und 3.000 Euro bei den Seeheimer Weihnachtsveranstaltungen.   

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Überhaupt sind transparente Verhältnisse dem Seeheimer Kreis ein wichtiges Anliegen, erklärt Geschäftsführer Martin Heßelbarth gegenüber der DAZ. Bei der Spargelfahrt müssen sich die Teilnehmer mit 50 Euro an den Kosten beteiligen. Die Sponsoren werden mit ihrem Logo auf der Sponsorenwand kenntlich gemacht und im Anschluss auf der Website veröffentlicht. Dort finden sich neben den bezahlten Summen auch die Leistungen, die im Gegenzug gewährt wurden.

Fünf Bordkarten für DocMorris

Vergangenen Dienstag fand nun die Spargelfahrt 2022 auf dem Berliner Wannsee statt. Im Vorfeld sorgte ein Artikel der Bild-Zeitung für Aufmerksamkeit, in dem eine „Preisliste für Lobbyisten“ der PR-Agentur Republic Affairs veröffentlicht wurde. Danach können Interessenten unter vier Paketen auswählen, für die sie zwischen 5.000 und 15.000 Euro bezahlen. Paket 3 für 10.000 Euro beinhaltet die Präsentation eines Logos auf der Sponsorenwand, eine ganzseitige Anzeige in der Bordbroschüre, die Ausgabe von Flyern mit Sponsorenlogos, eine Fotodokumentation sowie fünf Bordkarten.

Diese Liste, bestätigt Heßelbarth gegenüber DAZ.online, sei zutreffend. Auf Nachfrage erklärt er, dass DocMorris auch dieses Jahr mit 10.000 Euro als Sponsor dabei war. Wie viele Personen von DocMorris tatsächlich an Bord gegangen sind, kann er momentan angesichts von rund 600 Teilnehmern nicht sagen. Doch dazu werde er sich gerne in einigen Tagen äußern – dann werden auch die Fotos von der Veranstaltung sowie die Sponsorenliste auf der Website des Seeheimer Kreises zugänglich gemacht.

Deutliche Worte findet Heßelbarth zur Behauptung der Bild-Zeitung, die Seeheimer Abgeordneten hätten damit geworben, dass man gegen Geld Kanzler Scholz treffen könne. Dies sei keineswegs der Fall, es würden weder Gespräche noch Kontakte vermittelt. Zudem sei Scholz nach seiner Rede wieder von Bord gegangen und habe überhaupt nicht an der Fahrt selbst teilgenommen.

Dass DocMorris die Dampferfahrt sponsert und dafür fünf Bordkarten bekommt, wird dennoch kaum an der Liebe der Niederländer zum Spargel liegen. Denn auch ohne Vermittlung dürften die DocMorris-Vertreter durchaus in der Lage sein, potenzielle Ansprechpartner wie Klingbeil und Franke ausfindig zu machen und gute Kontakte mit den anderen Seeheimer Bundestagsabgeordneten zu pflegen.    

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