Gutachter kritisieren "fehlendes Tempo" von China und WHO zu Pandemiebeginn

95 Millionen Infizierte, mehr als zwei Millionen verstorbene Menschen weltweit und kaum ein Land kommt mit den Impfungen hinterher – die aktuelle Corona-Lage ist erschreckend. Aber hätte das alles auch anders laufen können? Vielleicht.

Eine unabhängige Untersuchungskommission zum internationalen Umgang mit der Corona-Pandemie kritisiert, dass die anfänglichen Maßnahmen Chinas und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu schleppend angelaufen seien. Die Experten stellten in dem am Dienstag in Genf veröffentlichten Bericht fest, dass China im Januar 2020 stärkere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus hätte umsetzen können. Zudem hätte die WHO schon vor dem 30. Januar 2020 einen Gesundheitsnotstand ausrufen können.

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Internationales Frühwarnsystem erfüllt derzeit nicht seinen Zweck

Bereits am Montag hatte der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingesetzte unabhängige Prüfungsausschuss der chinesischen Regierung "fehlendes Tempo" bei den ersten Reaktionen auf die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus vor einem Jahr vorgeworfen. Es hätte in dieser Phase "Potenzial gegeben, schneller auf frühe Anzeichen zu reagieren", heißt es in einem Bericht des Gremiums. "Öffentliche Gesundheitsmaßnahmen" hätten von den lokalen und nationalen Behörden in China im Januar energischer umgesetzt werden können.

Die Experten kritisierten auch die WHO für die späte Einberufung einer Sitzung ihres Notfallkomitees am 22. Januar vergangenen Jahres. Zudem habe das Gremium erst eine Woche später den öffentlichen Gesundheitsnotstand und damit die höchste Alarmstufe ausgerufen. Es sei "nicht klar", warum beide Schritte nicht früher erfolgten, heißt es in dem Bericht.

Generell befürchten die Gutachter, dass das internationale Frühwarn- und Reaktionssystem derzeit seinen Zweck nicht ordnungsgemäß erfüllen könne. "Es scheint aus einer früheren analogen Ära zu kommen und muss in die digitale Zeit geführt werden." Kritik gibt es auch an den Mitgliedsstaaten der WHO. Die Länder würden große Erwartungen an die Arbeit der Organisation stellen, aber der WHO nicht genug Macht und finanzielle Mittel einräumen.

Die Kommission wird von der früheren Premierministerin Neuseelands Helen Cark und der ehemaligen Präsidentin Liberias Ellen Johnson Sirleaf geleitet. Der Bericht ist nur ein Zwischenstand der Untersuchungen – für Mai ist die Präsentation des vollständigen Berichts im Rahmen der Weltgesundheitsversammlung geplant.

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China verteidigt sich gegen Gutachter-Kritik

In Reaktion auf die Kritik der Gutachter hat China hat sein Vorgehen zu Pandemiebeginn verteidigt. Bereits einige Wochen nach der Entdeckung des Virus seien massive Einschränkungen über die Millionenmetropole Wuhan verhängt worden, die "Infektionen und Todesfälle reduzierten", sagte ein Sprecherin des chinesischen Außenministeriums am Dienstag. China habe als erstes Land der Welt wegen des Virus "Alarm geschlagen" und trotz der damals noch fehlenden Informationen "schnelle und entscheidende Maßnahmen" ergriffen. Zugleich betonte die Außenamtssprecherin, man strebe danach, "es besser zu machen".

Die ersten Coronavirus-Fälle waren laut Stadtbehörden zwischen dem 12. und 29. Dezember 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan entdeckt worden. Sie wurden der WHO jedoch erst am 31. Dezember gemeldet. Als die Stadt am 23. Januar 2020 abgeriegelt wurde, hatte sich das Virus bereits in Japan, Südkorea, Thailand und bis in die USA verbreitet.

Seitdem breitet sich die Pandemie mit großer Geschwindigkeit auf der gesamten Welt aus und forderte bislang weltweit mehr als zwei Millionen Todesopfer. Mehrere Länder, allen voran die USA und Australien, beschuldigen Peking, die Schwere des Ausbruchs in seinen frühen Stadien heruntergespielt und eine wirksame Reaktion verhindert zu haben.

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WHO-Experten erforschen Coronavirus-Ursprünge in Wuhan

Um die Ursprünge des Coronavirus zu erforschen, ist vergangene Woche ein internationales Experten-Team im Auftrag der WHO nach Wuhan gereist. Gemeinsam mit chinesischen Forschern wollen die Experten erkunden, ob das Virus zu seiner Quelle zurückverfolgt werden kann. Die eingereisten Wissenschaftler müssen jedoch zunächst für zwei Wochen in Quarantäne.

Für Aufsehen hatte gesorgt, dass zwei der Experten zunächst abgewiesen worden waren – mit der Begründung, bei ihnen seien Covid-19-Antikörper festgestellt worden, was auf eine frühere Infektion hindeuten würde. Bei einem zweiten Serumantikörpertests sei bei dem britischen Experten ein negatives Ergebnis festgestellt worden, weshalb er nun einreisen dürfe. Der Experte aus Katar sei jedoch erneut positiv getestet worden.

Um die Reise hatte es ein langes Tauziehen gegeben, da die Suche nach dem Ursprung des Virus als politisch heikel gilt. Die Ankunft des WHO-Teams hatte sich lange hinausgezögert, sodass die Mitglieder bereits im Vorfeld die Erwartungen heruntergeschraubt hatten. Es gehe nun vor allem darum, im Austausch mit chinesischen Kollegen zu schauen, welche Spuren noch verfolgt werden könnten.

Weitere Quellen: "CNN"

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