Macht absolut keinen Sinn: Aerosol-Forscher kritisieren Absage von Weihnachtsmärkten

Kein Glühwein, keine Bratwurst, keine gebrannten Mandeln: Reihenweise sagen Städte ihre Weihnachtsmärkte ab. In Bayern sind sie sogar landesweit verboten. Aerosol-Experten kritisieren dieses Vorgehen allerdings scharf. Demnach mache es „absolut keinen Sinn“, die Veranstaltungen abzusagen.

Es passiert in Bayern und in Baden-Württemberg, in Berlin und in Thüringen. Landesbehörden und Gemeinden sagen nach und nach die Weihnachtsmärkte ab. Auch in einzelnen Städten anderer Bundesländer gibt es in diesem Jahr weder Glühwein noch Bratwurst am Stand.

„Wir glauben, es führt zu unzähligen Kontakten, es gibt keine effektive Kontrolle“, sagte etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Freitag kurz bevor er erklärte, dass die Weihnachtsmärkte in diesem Jahr landesweit abgesagt würden.

Im Sinne der Pandemiebekämpfung und aufgrund der aktuell steigenden Corona-Zahlen halten es die Politiker für das Richtige. Aber macht diese Maßnahme aus Sicht der Virenexperten überhaupt Sinn?

Aerosolforscher: „Macht absolut keinen Sinn“

Nein – das sagt zumindest Aerosol-Forscher Gerhard Scheuch. „Aus aerosolphysikalischer Sicht macht ein Verbot von Weihnachtsmärkten absolut keinen Sinn“, erklärte er der „Welt“. Im Freien fänden nur sehr wenige Ansteckungen statt. Bei langen Schlangen vor den Impfzentren gebe es ja auch keinerlei Bedenken.

Scheuch betonte außerdem, dass das Risiko einer Infektion im Innenbereich generell deutlich höher sei als draußen – sogar um das 20- bis 100-fache. Auch der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, ist seiner Ansicht: „Ich befürchte, dass eine generelle Schließung verstärkt dazu führt, dass die Menschen sich im privaten Umfeld in Innenräumen treffen, was das Infektionsrisiko deutlich erhöht“, sagte er der „Welt“ . dpa

Virologe: „Solche Veranstaltungen sind ein Risiko"

Anders sieht das der Frankfurter Virologe Martin Stürmer. Die Durchführung der Weihnachtsmärkte inmitten der vierten Corona-Welle sei unangebracht und gefährlich, sagte er der „Hessenschau“. „Solche Veranstaltungen sind ein Risiko." Sie hätten großes Potenzial für neue Infektionsketten. Damit könnten sie die Corona-Lage weiter zuspitzen.

  • Lesetipp: Im Interview mit FOCUS Online erklärte Stürmer unlängst, ob es aufgrund der aktuellen Lage Sinn machen könnte, die Booster-Impfung vor Weihnachten vorzuziehen. Das Gespräch lesen Sie hier: Boostern schon vor der 6-Monats-Frist? Virologe sagt, ob das sinnvoll ist

So könnte der Weihnachtsmarkt sicher ablaufen

Die Aersolexperten halten die Öffnung von Weihnachtsmärkten, auf denen ausreichend Abstand gehalten werden kann, stattdessen „für vertretbar“. Um die Sicherheit zu gewährleisten, wäre etwa die Beschränkung der Besucherzahl geeignet, erklärte Asbach.

Eine generelle Maskenpflicht im Freien halten die Aerosolexperten aber für „Aktionismus“, diese habe, wenn überhaupt, erzieherischen Charakter. Wichtig sei sie allerdings überall dort, wo Menschen über einen längeren Zeitraum zusammenstünden – etwa am Glühweinstand.

Mit ähnlichen Konzepten wollen zahlreiche Städte ihre Weihnachtsmärkte sicher gestalten.

  • Lesetipp: Im großen FOCUS Online-Überblick erfahren Sie, in welchen Städten noch Märkte stattfinden.

Aerosolforscher sprechen sich gegen Ausgangssperren aus

Auch Ausgangssperren für Ungeimpfte in Hotspots, wie sie etwa in Sachsen gelten, sehen die beiden Forscher kritisch. „Dies suggeriert, dass draußen die Gefahren lauern, das Gegenteil ist aber der Fall“, sagte Scheuch. Ausgangssperren seien absolut kontraproduktiv. Asbach hält die Effizienz von Ausgangssperren für „sehr umstritten“. Wichtig sei die Kontaktvermeidung in Innenbereichen, für Ungeimpfte gelte dies aufgrund der stärkeren Gefährdung umso stärker.

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