Merkel-Berater: Null-Fälle-Strategie soll Deutschland aus Corona-Krise führen

Infektionen auf null senken, virusfreie Zonen schaffen sowie Neuausbrüche rigoros bekämpfen: Das sind die Ziele einer langfristigen No-Covid-Strategie, die führende Wissenschaftlerinnen und Forscher in einem Positionspapier dem Bundeskanzleramt und den Ministerpräsidenten der Länder am Montag vorgeschlagen haben. Es ist eine Art Fahrplan heraus aus der Pandemie.

In dem Papier fordern die Autorinnen und Autoren, die Zahl der Neuinfektionen durch einen Lockdown zuerst auf zehn pro 100.000 Einwohner und Woche zu senken, und die Inzidenz danach auf null zu reduzieren. Regionen, die dieses Ziel erreichen, würden zu sogenannten grünen Zonen, die schrittweise zur Normalität zurückkehren können.

Außerhalb dieser Zonen würden strenge Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen sowie Quarantäneregeln gelten, unterstützt durch eine effiziente Teststrategie. Ziel ist es, schrittweise die Zahl grüner Zonen zu erhöhen. Neue Ausbrüche würden mit lokalen Maßnahmen konsequent bekämpft werden. Das Papier lag "ZEIT ONLINE" exklusiv vorab vor.

Grenzschließungen "nicht zwingend nötig", EU-Lösung am effektivsten

Gleichzeitig skizzieren die Autorinnen in dem von ZEIT ONLINE veröffentlichten Papier, wie negative Folgen für die Wirtschaft minimiert werden können. Wo immer möglich, sollten Betriebe Homeoffice ermöglichen, produzierendes Gewerbe sollte offen bleiben. Außerdem müssten vulnerable Gruppen und Pflegeeinrichtungen besser geschützt werden.

Ein erneutes Schließen der Grenzen zu den Nachbarländern sei für das Gelingen der Strategie hingegen nicht zwingend nötig. Am effektivsten sei jedoch ein gemeinsames europäisches Vorgehen.

Einen Tag vor dem Gipfel: Strategie wurde Merkel und Ministern am Montag vorgestellt

Unbedingt wollen die Verfasserinnen und Verfasser die Bevölkerung in die neue Strategie einbinden. Man müsse „einen Konsens herstellen, dass wir als Gesellschaft nicht mit dem Virus leben wollen und können, sondern es besiegen wollen“. Die derzeitigen Maßnahmen reichten nicht aus, um die Pandemie nachhaltig zu kontrollieren, dazu komme die Gefahr deutlich ansteckenderer Virusvarianten.

Nach Informationen von ZEIT ONLINE wurden die Inhalte der Strategie während einer Videokonferenz am späten Montagnachmittag der Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie den Ministerpräsidenten der Länder vorgestellt. Zu den dreizehn Autorinnen und Autoren des Papiers gehören unter anderem die Virologin Melanie Brinkmann und der Physiker Michael Meyer-Hermann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, der Präsident des Ifo-Instituts Clemens Fuest, der Soziologe Heinz Bude und der Mediziner Michael Hallek vom Uniklinikum in Köln. Sie bieten sich als Expertengremium an, um gemeinsam mit der Politik die Corona-Krise zu beenden.

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