„Neuer Tarifvertrag wird die Personalnot nicht lösen“

Mehr Geld für Apothekenangestellte – eine bessere Nachricht zum Jahresauftakt könnte es aus Sicht von Adexa wohl nicht geben. Vergangene Woche hatte sich die Apothekengewerkschaft mit dem Arbeitgeberverband ADA auf einen dreistelligen Sockelbeitrag für alle Berufsgruppenjahre geeinigt – und für das nächste Jahr ist eine weitere Gehaltserhöhung um drei Prozent vorgesehen. Thomas Preis, Vorstandschef des Apothekerverbandes Nordrhein, befürwortet zwar eine angemessene und leistungsgerechte Bezahlung von Mitarbeitenden, doch gegen das „Gießkannenprinzip“ führt er grundsätzliche Bedenken auf.

Die Apothekengewerkschaft Adexa und der Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken ADA haben sich in der vergangenen Woche auf einen neuen Gehaltstarifvertrag für Apothekenmitarbeiter:innen geeinigt. Die Mitgliederversammlung des ADA stimmte diesem am 5. Januar zu. Nun dürfen sich Apothekenmitarbeiter:innen in diesem Jahr über ein Gehaltsplus von 200 Euro, PKA sogar über 225 Euro freuen – rückwirkend zum 1. Januar. 2023 wird dann noch einmal erhöht. Vereinbart wurde ein weiteres Gehaltsplus um drei Prozent. Adexa-Vorstand Andreas May erklärte per Mitteilung: „Es ist für alle Apothekenangestellten nach zwei anstrengenden Pandemiejahren wichtig, dass jede und jeder eine ordentliche Schippe obendrauf bekommt. Das gilt insbesondere auch für die Berufsgruppen mit den niedrigeren Gehältern. Die prozentualen Erhöhungen, die sich durch den Sockelbetrag ergeben, liegen daher bei den PKA sogar im zweistelligen Bereich. Aber selbst bei den Approbierten in der höchsten Gehaltsstufe gibt es ein Plus von 4,6 Prozent!“ 

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Im bisher geltenden Gehaltstarifvertrag lagen die ersten drei Berufsjahresgruppen der PKA unterhalb des Mindestlohns von 12 Euro. Die Motivation beider Vertragspartner war es demnach, dass die Apothekenberufe nicht zum Teil im Mindestlohnsektor angesiedelt sind und künftig mit anderen Berufen mithalten können. „Denn im branchenübergreifenden Wettstreit um Nachwuchs und um qualifizierte Fachkräfte zählen die tariflichen Gehälter mehr als eventuelle übertarifliche Zulagen der einzelnen Apothekenleitung. Klar ist: Nur mit guten Tarifverträgen können wir die öffentliche Apotheke als Arbeitsplatz attraktiver machen“, kommentieren Tanja Kratt, Leiterin der Adexa-Tarifkommission, und der ADA-Vorsitzende Thomas Rochell das Verhandlungsergebnis.

Thomas Preis, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein (AVNR), zeigt sich über die Anpassung weniger euphorisch. Der neue Gehaltstarifvertrag zwischen Adexa und ADA hat zwar keine unmittelbare Auswirkung auf den Kammerbezirk Nordrhein, da sich hier ein eigener Arbeitgeberverband – die TGL Nordrhein – mit Adexa am Verhandlungstisch trifft. Doch Preis befürchtet weitreichende Folgen. „Der neue Gehaltstarifvertrag wird sich erheblich auf die Apothekenlandschaft in Deutschland auswirken und zu hohen Belastungen der Betriebe führen“, erklärt Preis gegenüber der DAZ. „Wenn das so umgesetzt wird, dann droht eine Beschleunigung der Apothekenschließungen.“ Konsequenterweise müssten die Apotheken nun, so der AVNR-Chef, versuchen, die höheren Lohnkosten durch Preissteigerungen zu kompensieren. „In den Sortimentsbereichen, in denen das möglich ist, werden wir dies an unsere Kunden weitergeben müssen.“ Doch den größten Umsatzanteil der Apotheken machen die Fixhonorare der verschreibungspflichtigen Arzneimitteln aus, und hier sieht der Verbandsvorsitzende große Herausforderungen auf die Apothekerschaft zukommen. Über ein Jahrzehnt seien die Fixhonorare von der Politik nicht angehoben worden. Bei Verhandlungen mit den Krankenkassen müssten Vertragspreise spürbar nachgebessert werden.

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