Norweger feiern "Freedom Day" – und die Niederlande diskutieren nach Lockerungen über Corona-Pass

Nach gut 18 Monaten haben die Niederlande am Wochenende den wegen der Corona-Pandemie eingeführten Sicherheitsabstand von 1,5 Metern abgeschafft. Allerdings müssen die Menschen seit Samstag einen Corona-Pass zum Nachweis einer Impfung, Genesung oder eines negativen Tests vorlegen, wenn sie Gaststätten, Kultur- oder Sportveranstaltungen besuchen wollen. Hackerangriffe behinderten den Start des umstrittenen Passes, teilte das Gesundheitsministerium am Sonntag mit. Dadurch war es am Samstagabend zeitweise nur schwer möglich, den erforderlichen QR-Code herunterzuladen. Die Angriffe seien aber abgewehrt worden.

Mehrere Tausend Menschen demonstrierten am Samstag in Den Haag und anderen Städten gegen die Corona-Politik und die Einführung des Corona-Passes. Viele Gastwirte kündigten an, dass sie den 3G-Nachweis nicht kontrollieren würden. Auch viele Kommunen wollen in den ersten Wochen bei Verstößen keine Strafen verhängen. Gut ein Drittel der Bevölkerung klagt einer Umfrage zufolge, dass die Regierung die Freiheit zu sehr einschränke. Ein Drittel steht hinter den Maßnahmen.

Steigende Infektionszahlen


Corona in den Niederlanden: "Es wurde gefeiert, ohne Abstandsregeln. Dafür zahlen wir jetzt den Preis"

Staatssekretärin wegen Unstimmigkeiten entlassen

Im Streit um den Corona-Kurs entließ Premierminister Mark Rutte am Samstag Wirtschaftsstaatssekretärin Mona Keijzer fristlos. Der ungewöhnliche Schritt folgt auf Kritik Keijzers an der Einführung des Corona-Passes im Interview der Zeitung "De Telegraaf". Die Kritik vertrage sich nicht mit dem Regierungskurs, sagte Rutte.

Keijzer hatte dem "Telegraaf" gesagt: "Wenn wir in einer Gesellschaft gelandet sind, in der man voreinander Angst haben muss, es sei denn, dass man einen Nachweis vorlegt, dann muss man sich (…) fragen: Wollen wir diese Richtung wählen?"

Eine Beschränkung der Besucherzahl für Stadien und Kneipen, Geschäfte und Theater gibt es in den Niederlanden bei Vorlage des Corona-Passes nun nicht mehr. Wer nicht geimpft oder genesen ist, kann sich kostenlos testen lassen. Doch der Mund-Nasen-Schutz bleibt in Bussen und Bahnen Pflicht. Diskotheken und Nachtclubs müssen weiter um Mitternacht schließen. Rund 82 Prozent der Erwachsenen sind vollständig geimpft.

In diesen 13 Ländern gibt es (angeblich) kein Corona

Norwegen lockert sich – und prügelt sich

Auch in Norwegen wurden am Samstag fast alle Corona-Beschränkungen gekippt. Von Diskussionen aber keine Spur: Mit zahlreichen Partys haben die Norweger:innen das Ende der Corona-Regeln gefeiert. Nachtclubs und Kneipen waren voll, vielerorts herrschte ausgelassene Stimmung. In Warteschlangen vor Discos und Bars wurden Lieder gesungen. In der Stadt Trondheim mussten mehrere Menschen versorgt werden, die beim langen Anstehen ohnmächtig wurden. Aus mehreren Städten wurden allerdings auch Schlägereien, Verletzte und Festnahmen gemeldet, wie der öffentlich-rechtliche Sender NRK am Sonntag berichtete.

"Es gab viele Ordnungswidrigkeiten, Gewaltausbrüche und Kämpfe", sagte Rune Hekkelstrand von der Polizei in Oslo. Mehrere Menschen seien wegen Waffenbesitzes festgenommen worden, einige wurden zum Teil schwer verletzt. In der Stadt Tønsberg südlich der Hauptstadt kam es an der Hafenmole zu einer Massenschlägerei, in der südwestlichen Region Agder wurden insgesamt zwölf Menschen wegen Krawallen festgenommen.

Norwegen hat am Samstagnachmittag die allermeisten Corona-Maßnahmen aufgehoben. Unter anderem gilt nun nicht mehr die Ein-Meter-Abstandsregel, auch die Teilnehmerbeschränkungen bei Veranstaltungen und Zusammenkünften fallen weg. Einzig die Anforderung, im Falle einer Corona-Erkrankung in Isolation zu gehen, bleibt bestehen. Auch die Einreisebeschränkungen werden schrittweise aufgehoben. Norwegen ist im europäischen Vergleich relativ gut durch die Pandemie gekommen.

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