Virologe warnt vor Panik: Dürfen nicht schreckstarr auf Infektionszahlen schauen

Kanzlerin Angela Merkel zeigt sich angesichts stark steigender Corona-Infektionen besorgt – und hat mit den Bürgermeistern der elf größten Städte weitere Maßnahmen verabredet. Der Virologe Hendrik Streeck mahnt unterdessen zu mehr Pragmatismus im Umgang mit Corona: Die Situation heute sei kaum mit der Lage vor gut sechs Monaten zu vergleichen.

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland hat am Samstag ein weiteres Mal über der Marke von 4000 gelegen. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 4721 neue Corona-Infektionen. Die Zahl liegt damit noch einmal über der vom Freitag (4516). Von Mittwoch auf Donnerstag war der Wert von 2828 auf 4058 massiv angestiegen.

Verliert Deutschland angesichts dieser Schockzahlen nun die Kontrolle über die Entwicklung der Corona-Pandemie im Land? Nein, sagt der Virologe Hendrik Streeck. Es gebe keinen Grund für Panik. In einem Gastbeitrag für das „Handelsblatt“ mahnt Streeck, dass Mediziner und Politiker trotz der Entwicklung bei den Infektionszahlen, eine „faktenbasierte Ruhe“ bewahren sollten.

Statt „nur schreckstarr auf die Infektionszahlen zu schauen“, brauche es jetzt Pragmatismus.

Streeck: Wir sind besser im Testen geworden

Es sei nicht sinnvoll, die reinen Infektionszahlen zum Maßstab im Kampf gegen Corona zu machen. „4000 Neuinfektionen pro Tag zur Zeit bedeuten nicht mehr das Gleiche, was sie im März und April bedeutet haben“, erläutert er in dem Gastbeitrag.

Gerade weil Deutschland gut im Testen und Nachverfolgen sei, würden man derzeit prozentual viel mehr Infektionen sehen. Viele dieser Infektionen seien aber „weniger relevant“. „Die Infektionen mit milden und asymptomatischen Verläufen sind nicht das Problem. Die Verläufe, die intensivmedizinisch oder stationär behandelt werden müssen, sollten mehr im Zentrum unserer Aufmerksamkeit stehen“, so Streeck weiter.

Streeck fordert ein Ampelsystem

Der Experte fordert, ein besonderes Augenmerk auf die stationäre und intensivmedizinische Belegung zu legen. Hier messe sich am Ende, wo die Grenzen unseres Gesundheitssystems liege. Abhilfe könne ein Ampelsystem schaffen, das auf dem Zusammenspiel von Infektionszahlen, Anzahl der Tests, stationärer und intensivmedizinischer Belegung basiert.

  • Virologe Streeck hält Teststrategie für überholt: "Wir brauchen die Covid-Ampel" 

Generell gelte es, sich an ein Leben mit Corona zu gewöhnen, so Streeck weiter. Das bedeute „auch zu akzeptieren, dass Sars-CoV-2 bei uns heimisch wird“. Auch Todesopfer ließen sich vielleicht minimieren, aber nicht vermeiden.

Merkel zeigte sich besorgt über steigende Infektionszahlen

Am Freitag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Bürgermeistern der elf größten Städte beraten und sich auf eine Reihe von Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie verständigt.

Dazu zählen:

  • Eine erweiterte Maskenpflicht
  • Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum
  • Sperrstunden und Alkoholbeschränkungen
  • Teilnehmerbegrenzungen für Feiern

„Die Großstädte und die Ballungsräume sind der Schauplatz, wo wir sehen, ob wir die Pandemie unter Kontrolle halten können oder ob uns die Kontrolle entgleitet“, so Merkel. „Es ist im Sommer gut gegangen, jetzt sehen wir ein anderes besorgniserregendes Bild.“ Sollte die Kontaktnachverfolgung nicht mehr möglich sein, „werden uns die Infektionszahlen davonrennen“, warnte sie.

"Wenn irgend möglich wollen wir das wirtschaftliche und öffentliche Leben nicht wieder so herunterfahren, wie es im Frühjahr notwendig war", sagte die Kanzlerin weiter. 

Kommende Woche steht zudem wieder ein Gespräch Merkels mit den Ministerpräsidenten der Länder an, wie Bayerns Regierungschef Markus Söder angekündigt hatte. Nach dpa-Informationen sollen die Beratungen am Mittwochnachmittag sein.

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