WHO hat dynamische Leitlinie zu COVID-19-Arzneimitteln aktualisiert

Neu verfügbare Arzneimittel gegen COVID-19 bringen auch Änderungen in den Empfehlungen zu ihrem Einsatz mit sich. Die WHO hat am 13. Januar ihre „living guideline“ aktualisiert. Es ist bereits die achte Version, zuletzt war sie im Dezember aktualisiert worden. Neues gibt es vor allem zu Baricitinib und Sotrovimab. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt zwei weitere Arzneimittel für die Behandlung von COVID-19-Patient:innen: 

Baricitinib wurde zur Behandlung von rheumatoider Arthritis entwickelt. Es gehört zu den fünf Arzneimitteln, welche die EU im Juni 2021 als „vielversprechend“ bezeichnet hatte. Die Hoffnung war, dass seine entzündungshemmende Wirkung auch bei schweren COVID-19-Verläufen hilft. Die WHO empfiehlt Baricitinib nun für schwerkranke COVID-19-Patientinnen und -Patienten. Sie hätten mit der Therapie bessere Überlebenschancen und die Notwendigkeit einer künstlichen Beatmung werde reduziert, heißt es in der neuen Richtlinie. Es seien keine Nebenwirkungen beobachtet worden. Das Arzneimittel solle in Kombination mit Corticosteroiden verabreicht werden. Es handelt sich um eine starke Empfehlung, gleichwertig mit den Interleukin-6-Rezeptorblockern Tocilizumab und Sarilumab. Diese werden von der WHO-Leitlinie schon seit Juli 2021 empfohlen. 

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde (Food and Drug Administration) hatte bereits im November 2020 eine Notfallgenehmigung (EUA) für Baricitinib für die Behandlung von COVID-19 in Kombination mit Remdesivir erteilt. Vom Einsatz von Ruxolitinib and Tofacitinib, bei denen es sich ebenfalls um Janus-Kinase-Inhibitoren handelt (JAK), rät die WHO dagegen (bedingt) ab. Kleine Studien hätten bislang keinen Nutzen gezeigt, und bei Tofacitinib könnten sich womöglich schwere Nebenwirkungen entwickeln.

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Sotrovimab ist ein eigens für COVID-19-Patient:innen entwickelter monoklonaler Antikörper. Wie bei Casirivimab und Imdevimab könnten bereits COVID-19-Patient:innen mit weniger schwerem Krankheitsverlauf, aber hohem Risiko einer Krankenhauseinweisung, vom Einsatz des monoklonalen Antikörpers Sotrovimab profitieren, schreibt die WHO. Das Mittel mit dem Markennamen Xevudy ist auch in der EU zugelassen. Auch Sotrovimab war unter den fünf Arzneimitteln, die die EU im Juni 2021 als „vielversprechend“ bezeichnet hatte. 

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Wie die WHO zum Hintergrund erklärt, gibt es mittlerweile präklinische Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass die monoklonale Antikörperkombination Casirivimab und Imdevimab in vitro keine Neutralisierungsaktivität gegen die Omikron-Variante aufweist. Es sei aber berichtet worden, dass Sotrovimab in Pseudovirus-Tests eine Aktivität gegen Omikron beibehält, wobei jedoch höhere Konzentrationen für die Neutralisierung erforderlich sind. Weiter Daten seien erforderlich, um festzustellen, ob die Wirksamkeit gegen die Omikron-Variante bei den untersuchten Dosierungen der monoklonalen Antikörper aufrechterhalten wird. Die vorliegenden Leitlinien würden wieder aktualisiert, sobald zusätzliche Daten vorliegen.

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