Aerosole schuld an jeder zweiten Infektion: Lüften hilft – unter einer Voraussetzung

Das Coronavirus ist winzig und kann in Mini-Tröpfchen auch länger in der Luft stehenbleiben. Diese sogenannten Aerosole rücken daher zunehmend in den Fokus der Forschung. Wie Sie das Infektionsrisiko über die Schwebeteilchen bestmöglich reduzieren.

Bei der Erforschung von Corona-Infektionswegen nehmen Wissenschaftler immer stärker die sogenannten Aerosole unter die Lupe. Damit wird ein Gemisch aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen – wie Partikel von Sars-CoV-2 – in der Luft bezeichnet. „Wir sind ziemlich sicher, dass Aerosole einer der Wege sind, über die sich Covid-19 verbreitet“, sagt etwa der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch. Schmierinfektionen hingegen spielten eine geringere Rolle.

Auch Christian Drosten sieht die Virusübertragung über die Schwebeteilchen in der Luft inzwischen als sehr relevant für die Ausbreitung von Sars-CoV-2 an. Die bisherige Forschung zum neuartigen Coronavirus deute auf eine deutliche Aerosol-Komponente der Übertragung hin. „Es gibt sogar direkte Messungen der Aerosol-Entstehung, nicht nur eine, sondern mehrere Studien“, erklärt der Virologe bereits Ende Mai im NDR Info-Podcast „Das Coronavirus-Update“.

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Aerosole vermutlich ähnlich relevant für Ansteckung wie Tröpfcheninfektion

„Die beste dieser Studien ist nach wie vor für mich die aus Hongkong, die mir sagt, wahrscheinlich ist 50 Prozent der infektiösen Substanz, des infektiösen Virus, das man von sich gibt, in Aerosol-Partikeln und nicht in den größeren Tröpfchen“, führt Drosten aus.

Am Anfang der Pandemie war man im Gegensatz dazu vor allem von einer Ansteckung via größerer Tröpfchen ausgegangen, die bei engem Kontakt unmittelbar von Mensch zu Mensch stattfindet. Doch die Datenlage habe sich inzwischen verändert, sagt er. Demnach spiele die Tröpfchenübertragung sicherlich weiterhin eine Rolle. „Das ist ja die Übertragung, bei der man an diese anderthalb Meter Abstand denkt“, erklärt der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité.

Den Einfluss der Aerosole auf das Infektionsgeschehen bewertet der Professor für Virologie inzwischen allerdings als ähnlich groß: Er gehe mittlerweile davon aus, dass fast die Hälfte der Sars-CoV-2-Infektionen auf Aerosole zurückzuführen sei. Den Anteil von Tröpfchen und Aerosolen schätzt auf je 45 Prozent, zehn Prozent der Infektionen gingen auf virenbehaftete Oberflächen zurück.

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Was gegen Aerosole in der Luft hilft

Sich vor den Schwebepartikelchen in der Luft zu schützen ist dabei allerdings noch schwieriger als vor einer Infektion per klassischer Tröpfcheninfektion, die oft auch der Übertragungsweg herkömmlicher Erkältungsviren ist. Der wirksamste Hebel, um die Partikel aus der Luft zu vertreiben, ist regelmäßiges und effektives Lüften.

Ohne Durchzug verbleiben Viren in der Raumluft

„Wenn es denn so ist, dass ein Virus in der Raumluft steht, dann muss diese Raumluft natürlich bewegt werden und herausbefördert werden“, erläutert Drosten gegenüber dem „Deutschlandfunk“. „Das heißt, man macht das Fenster auf, setzt da einen großen Ventilator rein, der die Luft nach draußen bläst, und macht die Tür einen Spalt auf. Dann kann man natürlich so einen Raum auch entlüften und kann sicherlich auch so eine Aerosolkomponente verringern.“

Wichtig sei dabei, dass ein tatsächlicher Luftaustausch stattfindet, also Luft von drinnen nach draußen strömt und umgekehrt, betonen Experten. Ist kein Wind oder Durchzug vorhanden, ist das nur bedingt der Fall. Das Lüften kann dann wirkungslos bleiben, Viren in der Raumluft verbleiben. Vor allem für Büros und Schulen, wo viele Menschen aufeinandertreffen, empfiehlt Drosten daher die Unterstützung mittels Ventilator. 

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Mund-Nasen-Bedeckungen reduzieren das Risiko

Neben einer effektiven Durchlüftung von Räumen helfen auch Mund-Nasen-Bedeckungen gegen die Schwebeteilchen in geschlossenen Räumen, zum Beispiel beim Einkaufen oder in der Bahn. „Sie bieten Strömungswiderstand. Anstatt dass man Partikel weit nach außen pustet, halten sie sich nah am Kopf“, erklärt Christian Kähler vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr München den Mechanismus dahinter. Das verringert die Ansteckungsgefahr ebenfalls.

Aerosole können über Stunden infektiös bleiben

Wie lange eine potenzielle Gefahr von den Aerosolen in der Luft ausgeht, haben Forscher bereits in ersten Studien untersucht: Ein Team aus den USA hat dafür etwa mit Laserlicht die Lebensdauer der kleinen Tröpfchen in der Luft gemessen, die beim Sprechen entstehen. Demnach verschwinden sie in einer geschlossenen Umgebung bei stehender Luft erst nach acht bis 14 Minuten. Im Fazit der Studie heißt es, „dass es eine erhebliche Wahrscheinlichkeit gibt, dass normales Sprechen in beschränkten Umgebungen eine Übertragung von Viren in der Luft verursacht“.

Laut Gerhard Scheuch von der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, der eine Firma für Bio-Inhalation führt, könnten sich Aerosole in geschlossenen Räumen sogar über Stunden halten und infektiös sein. Draußen schätzen Experten die Ansteckungsgefahr durch Aerosole hingegen als sehr gering ein. Virenpartikel verteilten sich hier sehr schnell.

Einen hundertprozentigen Schutz vor einer Ansteckung bietet jedoch keine der Maßnahmen, weder draußen noch drinnen. Die Kombination auch weiterer Schutz-Maßnahmen gegen das Coronavirus wie regelmäßiges und gründliches Händewaschen und das Einhalten von mindestens anderthalb Metern Abstand zu anderen bleiben daher unerlässlich.

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