Jede 3. Erkrankte stirbt an Gebärmutterhalskrebs – dabei ist der Schutz simpel

62 Millionen Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs könnten in den kommenden 100 Jahren verhindert werden, wenn die ärmsten Länder der Erde rasch Zugang zu Massenimpfungen, Früherkennungsprogrammen und Behandlungsmethoden hätten. Allein in Deutschland stirbt derzeit jede dritte Erkrankte an der Krebsart, obwohl das vielfach mit einfachen Maßnahmen vermeidbar wäre.

500.000, so viele Menschen werden vermutlich in diesem Jahr laut dem Krebsinformationsdienst allein in Deutschland neu an Krebs erkranken. Eine der Krebserkrankungen, die bei frühzeitiger und konsequenter Vorsorge nahezu vermeidbar wäre, ist Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Laut dem Berufsverband der Frauenärzte in Deutschland (BVF) erkranken daran in Deutschland jedes Jahr etwa 4300 Frauen, jede Dritte stirbt an der Krankheit. Dabei könne, so der BVF, die Gefahr, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken und zu sterben durch entsprechende Vorsorge, um mehr als 90 Prozent gesenkt werden.

Gebärmutterhalskrebs-Fälle könnten mit einfachen Mitteln stark reduziert werden

„Keine andere Krebserkrankung könnte durch einfache Maßnahmen so stark reduziert werden. Die Möglichkeiten für jedes Mädchen und für jede Frau sind in Deutschland vorhanden, die Kosten werden durch die Krankenkassen übernommen“, sagt Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte.

Gebärmutterhalskrebs tritt laut Albring bereits bei jungen Frauen unter 30 Jahren auf, ebenso bei Frauen über 60 oder über 70 Jahre. Frauen ab 20 Jahren sollten deshalb laut BVF einmal im Jahr die Krebsfrüherkennungsuntersuchung bei ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt wahrnehmen.

Vorbeugen geht auch mit Impfung – anders als bei meisten anderen Krebsarten

Im Gegensatz zu den meisten anderen Krebsarten kann einer Gebärmutterhalskrebserkrankung zudem mit einer Impfung vorgebeugt werden: Kinder ab neun Jahren erhalten mit einer Impfung gegen Humane Papilloma-Viren (HPV) laut dem BVF einen nachhaltigen, wirksamen Schutz gegen HPV-Infektionen. Diese seien die Ursache für mehr als 90 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs.

74 Millionen Erkrankungen könnten in den nächsten 100 Jahren verhindert werden

Doch nicht überall auf der Welt sind Vorsorge und Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs so leicht zugänglich wie in Deutschland. Dabei könnten weltweit mehr als 74 Millionen Erkrankungen sowie 62 Millionen Tote in den kommenden 100 Jahren vermieden werden, wie der britische „Guardian“ berichtet.

Dafür müssten 78 der ärmsten Länder der Erde jedoch rasch Zugang zu HPV-Impfungen sowie Früherkennungsprogrammen und Behandlungsmethoden für Gebärmutterhalskrebs bekommen. Dies legen zwei aktuelle Studien nahe.

Eine der Studien haben Wissenschaftler der amerikanischen Harvard-Universität, der kanadischen Universität Laval und der australischen Krebsforschungseinrichtung Cancer Council New South Wales kürzlich in der medizinischen Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht – zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation.

Drei Forscher-Teams kommen unabhängig voneinander zu ähnlichen Ergebnissen

In verschiedenen Ländern auf fast allen Kontinenten sammelten die drei Forscher-Teams unabhängig voneinander Daten – und kamen zu ähnlichen Ergebnissen: Demnach ist Gebärmutterhalskrebs – trotz Fortschritten in Ländern mit hohem Einkommen – immer noch die vierthäufigste Krebsart bei Frauen. In einigen Gebieten mit niedrigem Einkommen ist Gebärmutterhalskrebs sogar die häufigste durch Krebs verursachte Todesursache.

Die Studie legt nahe, dass 97 Prozent weniger Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkranken und 99 Prozent weniger daran sterben würden, wenn bis zum Jahr 2020 90 Prozent der Mädchen in den 78 ärmsten Ländern der Erde eine HPV-Impfung bekämen, 70 Prozent an Früherkennungsprogrammen teilnähmen und 90 Prozent eine Krebsbehandlung erhielten.

Wie heutige Investitionen sich langfristig auszahlen können

Karen Canfell, eine der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Leiterin des Cancer Council New South Wales, erhofft sich, dass die betreffenden Ländern diese Informationen nutzen, um zu verstehen, welche langfristigen Auswirkungen heutige Investitionen in das Gesundheitssystem haben können.

Australien und England haben Gebärmutterhalskrebs den Kampf angesagt

Wohlhabende Länder haben Gebärmutterhalskrebs schon länger den Kampf angesagt. Australien etwa will bis 2035 die Krankheit vollständig besiegt haben. Dies hatte Karen Canfell laut „The Guardian“ im vergangenen Jahr angekündigt.

Auch England ist demnach auf einem gutem Weg: Seit 2008 werden HPV-Impfungen bei Mädchen über Schulimpfprogramme durchgeführt. 2018, also zehn Jahre später, konnten laut einer aktuellen Studie einer Beratungsagentur des englischen Gesundheitsministeriums keine HPV-Infektionen bei 16- bis 18-jährigen Frauen und Mädchen mehr festgestellt werden.

Individuelle Herausforderungen für jedes Land

Jedes Land stehe aber vor anderen Herausforderungen bei der Einführung von Impf-, Früherkennungs- und Vorsorgeprogrammen, sagt Karen Canfell. „Alle drei Maßnahmen haben sich bewährt“, so die Professorin, „und in Ländern mit hohen Einkommen sind sie sehr effektiv.“ In Bezug auf Logistik und Umsetzung seien sie aber für alle Länder eine Herausforderung. Entscheidend sei unter anderem die Frage, ob sie innerhalb eines bestehenden Gesundheitssystems möglich sind oder neue Strukturen erst einmal errichtet werden müssen.

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